Kompromisse und Beziehungen

Kompromisse und Beziehungen

Ich höre immer wieder, wie wichtig es ist, dass man an Beziehungen arbeitet und vor allem Kompromisse miteinander aushandelt.
Zur Erinnerung: ein Kompromiss ist die Vereinbarung gegenseitiger Zugeständnisse, es ist eine Lösung, mit der keine der beiden Parteien so recht glücklich ist. Ein Kompromiss ist die Einigung auf ein kleineres Übel für beide – aber dennoch auf ein Übel.
Mir fällt dazu das Erlebnis eines gemeinsamen Urlaubs ein, bei dem ich mit meiner Freundin folgenden Kompromiss geschlossen hatte: eine Woche Strand und eine eine Woche Stadtbesichtigung. Meine Freundin liebte es, sich an einem Strand zu entspannen, was für mich eine langweilige Tortur war. Ich hingegen mochte es, fremde Städte zu erkunden, was für sie eine Zumutung darstellte.
In meiner Erinnerung liegt auf dem Strand eine bleierne Schwere, und vom Aufenthalt in Barcelona habe ich Bilder im Kopf, bei denen ich allein durch die Stadt laufe, obwohl ich weiß, dass meine Freundin körperlich anwesend war.
Als gemeinsame Zeit, die verbindende Erinnerungen schafft, war dieser Urlaub verschwendet. Es hat keine Erlebnisse gegeben, auf die wir beide mit Freude zurückgeblickt hätten. Wir hätten beide getrennt fahren können, ohne die Frustration dieses Kompromisses erfahren zu müssen. Jeder hätte eine schöne Zeit für sich im Herzen behalten. Keiner hätte etwas vermisst.

Aber, so höre ich Viele sagen…

…immerhin wart ihr zusammen.
Und an dieser Stelle melde ich Widerspruch an. Ich sehe es nicht so, dass wir zusammen gewesen sind. Jeder von uns konnte etwas erleben, an dem der andere keinen Anteil hatte. Zu keinem dieser Erlebnisse hätte es des Anderen bedurft. Miteinander teilen konnten wir leider nichts. Es war einer dieser Urlaube, der Paare voneinander entfernt.
Ich weiß, für viele ist das normal – für mich war es das schließlich auch. Man kommt sich entgegen, und so hat jeder etwas davon. Nur, dass man eben keine schöne Zeit miteinander hatte. Was sich verfestigt, ist die Erinnerung, dass es gemeinsam nicht so schön ist wie ohne den Anderen. Man erlebt mehr Trennendes als Verbindendes.
Das sind so die Kompromisse, die ich in Beziehungen kenne. Wie ist es bei Ihnen?

Nullsummenspiele

Was ist ein Nullsummenspiel?
Nullsummenspiele zeichnen sich dadurch aus, dass, wenn man die Gewinne und Verluste der Spieler zusammenrechnet, immer NULL herauskommt.
Ein klassisches Beispiel ist Poker. Da kann ein Spieler nur diejenige Summe gewinnen, die andere verlieren.
Demokratische Wahlen beispielsweise sind ebenfalls Nullsummenspiele: Es gibt eine endliche Zahl von Plätzen im Parlament. Der Gewinn einer Partei ist der Verlust der anderen.
Sportliche Wettkämpfe sind auch Arten von Nullsummenspielen. Es kann nur Sieger geben, wenn es Verlierer gibt.

In unserem Urlaub konnte meine Freundin nur gewinnen, weil ich „verloren“ habe. Und selbstverständlich umgekehrt.

Es gibt natürlich auch Kompromisse, bei denen beide Zugeständnisse machen. Niemand gewinnt und beide verlieren. Das wäre streng genommen kein Nullsummenspiel.
Meist aber werden Kompromisse in Beziehungen als Nullsummenspiele geschlossen: Ich tue dies für dich (ich verliere – du gewinnst), wenn du jenes für mich tust (du verlierst – ich gewinne).
Was auf den ersten Blick wie ein fairer Handel wirkt, hinterlässt immer einen Verlierer.

Win-Win-Situationen

Eine gute Alternative zu Nullsummenspielen sind Lösungen, bei denen beide gewinnen. Im Falle des Urlaubs ginge es beispielsweise darum, Aktivitäten zu finden, die beiden Partnern Freude bereiten.
Einen solchen Urlaub hatte ich auch mit meiner damaligen Freundin. Und obwohl wir schon lange nicht mehr zusammen sind, erinnern wir uns beide gern an diese Zeit…

Solche Lösungen zu finden, ist mühseliger als jeder Kompromiss. Sie sind aber meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit, zusammenzuwachsen.

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